Alwin Thirok formt Talente auch in Afrika

ROT/ROT / sz - Es gibt viele Fußballverrückte in Deutschland, aber nur wenige können ähnliche Geschichten schreiben wie der „Fußball-Globetrotter“ Alwin Thirok.

 

Seit Sommer vergangenen Jahres leitet der 44-Jährige die sportlichen Geschicke beim Bezirksligisten TSV Rot/Rot. Ein schweres Amt auf den ersten Blick. 

 

Trat der in Memmingen wohnende Familienvater doch in die breiten Fußstapfen der Trainerikone Norbert Badstuber, der zuvor acht Jahre lang beim TSV sehr erfolgreich an der Seitenlinie gewirkt hatte. Ein unbeschriebenes Blatt war für Thirok der Bezirksligist aber nicht, spielte er doch aktiv in den 90er Jahren, seinerzeit noch in der Landesliga, für die Rothosen.


Bei Besuchen von Heimspielen seines Stammvereins FC Memmingen und bei Eishockeyspielen der Memminger Indians traf sich Thirok von Zeit zu Zeit mit Rots Fußball-Abteilungschef Hans Gumbold und Norbert Badstuber. Als dann die Trainerposition in Rot/Rot zu vergeben war, griff Gumbold zu. „Der Alwin passt sehr gut zu uns und leistet super Arbeit. Wir hatten viele Verletzte in der Vorrunde und konnten dies, auch dank seines Fußballsachverstandes, kompensieren“, sagt der TSV-Abteilungschef. Thirok selbst fühlt sich in Rot an der Rot bisher sehr wohl und gibt das Lob an die Vereinsführung weiter: „Hier herrscht ein richtiges familiäres Verhältnis, sportlich und organisatorisch läuft es gut. Es stimmt auf allen Etagen und es ist ein Konzept da.“

 

Fußballspezifische Konzepte zu erarbeiten lernte Thirok bei seinem Trainervorbild Thomas Tuchel, dem jetzigen Trainer des Bundesligisten FSV Mainz 05. Seit acht Jahren leitet Thirok die Fußballschule Allgäu, fünf Jahre davon in Kooperation mit dem Mainzer Coach, die letzten drei Jahre in Eigenregie. Thirok schwärmt über die gemeinsame Zeit mit dem Mainzer Trainer. „Die Zeit mit Thomas Tuchel hat natürlich auch mich geprägt. Seine Fußball-Philosophie vom ,Matchplan‘ und ,Gegenpressing‘ ist beeindruckend“, sagt er und versucht das Konzept im kleinen Stil bei Rot/Rot umzusetzen. „Dazu gehören so wenig wie möglich persönliche Ballkontakte und variables Spiel, aber immer und alles über die Mannschaft“, erläutert der 44-Jährige. Auch wenn Thiroks Spielauffassung die eines Konzepttrainers ist, wäre es falsch, ihn ganz als solchen zu charakterisieren. Thiroks Trainertätigkeit ist eindeutig vom Ausbildungsgedanken geprägt. Dazu gehören auch die ständige persönliche Weiterbildung und das stete Hinterfragen der eigenen Arbeitsweise.

 

Seit 2009 ist Thirok Inhaber der Trainer-A-Lizenz. 2011 gründete er zusammen mit dem Spielervermittler Didi Wendorff eine Fußballakademie in Kamerun. Thirok fasst seine Aufgaben und Ziele so zusammen: „Wir wollen junge, talentierte Spieler im Alter zwischen 16 und 20 Jahren von der Straße holen und ihnen die Chance geben, in größeren Klubs zu spielen.“ Viele Talente sind dabei durch Thiroks Hände gegangen. Nach einigen Selektionen und Trainingslagern stellen sich nun Erfolge ein. „ Fünf aktuelle U19-Nationalspieler haben unsere Akademie durchlaufen, zwei unserer Jungs durften ein Probetraining beim portugiesischen Rekordmeister und Champions-League-Teilnehmer Benfica Lissabon absolvieren.“ Zuletzt war Thirok im Januar dieses Jahres in Kamerun. Welch großen Stellenwert er in der Akademie genießt, kann man auf der Internetseite der Akademie nachlesen. „Unser Chef ist endlich zurück“, heißt es da erwartungsvoll.

 

Sein fußballerisches Hauptaugenmerk gilt derzeit aber eindeutig dem TSV Rot/Rot, mit dem er unlängst per Handschlag die Zusammenarbeit auch in der kommenden Saison manifestierte. Vor einigen Wochen führte Thirok eine Technikschulung für den unteren Jugendbereich durch. Im oberen Jugendbereich will man mittelfristig das Spielsystem an die Männer-Mannschaften angleichen. Thirok sieht gute Ansätze: „Wir haben einige hoffnungsvolle Nachwuchsspieler, die wir an die erste Mannschaft heran führen wollen.“ Seinen Verein, derzeit Achter in der Bezirksliga, sieht er auf einem guten Weg und setzt auf eine gute Rückrunde. Dem umtriebigen Abteilungsleiter Hans Gumbold wäre das sicher nur recht.

 

Der TSV Rot/Rot empfängt am Sonntag, 7. April, den TSV Kirchberg zum Illertalderby (15 Uhr).

 

Von Gerhard Kirchenmaier

 

Quelle: 

http://www.schwaben11.de/nc/news-detailansicht/artikel/rotrots-trainer-alwin-thirok-formt-talente-auch-in-afrika.html

 

Foto: Trainer Alwin Thirok hat die Taktiktafel nicht nur beim TSV Rot/Rot im Einsatz. (privat)